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Geflüchtete treffen aufs Landespolizeiorchester
Was erleben Geflüchtete aus Syrien, Afghanistan und der Ukraine mit deutschen Sicherheitskräften? Ein lyrisch-musikalischer Dialog zwischen jungen Zuwanderer:innen aus Kriegsgebieten und dem Landespolizeiorchester Brandenburg
Was erleben junge Geflüchtete aus Syrien, Afghanistan und der Ukraine mit der deutschen Polizei? Auf der Inselbühne Potsdam haben sie davon berichtet. Das Besondere: Das Landespolizeiorchester Brandenburg antwortete mit Musik auf ihre poetischen Erzählungen.
"Ihr nennt euch Freund und Helfer, doch wann wart ihr mein Freund? Wenn ich euch wirklich brauchte, war eure Hilfe fern." Shahzamir Hataki floh im Alter von 15 Jahren allein nach Deutschland. Drei Monate war er unterwegs und wäre auf der Überfahrt nach Griechenland fast ertrunken. In Deutschland hat der heute 26-Jährige Freunde gefunden, er arbeitet an der Charité und möchte eines Tages zu "Ärzte ohne Grenzen". Doch häufig hat er das Gefühl, dass er immer noch beweisen muss, dass er zur deutschen Gesellschaft dazugehört - zum Beispiel, wenn er auf seinem Weg durch die Straßen Berlins von der Polizei aufgehalten wird.
"Sind es meine schwarzen Haare, mein südländisches Gesicht, mein gebrochenes Deutsch? Was seht ihr, wenn ihr mich anseht? Einen Menschen? Oder nur ein Vorurteil?" Shahzamirs Stimme ist fest, als er bei der Veranstaltung "Liebe Polizei, wir müssen reden!" ins Mikrofon spricht. Doch man spürt seine Traurigkeit, als er von abfälligen Blicken und Ungleichbehandlung berichtet. "Wenn ich meine Version erzähle, hört ihr kaum zu. Doch spricht ein Deutscher dieselben Worte, werden sie plötzlich wahr."
Mit Poesie Gefühle ausdrücken
Bei The Poetry Project hat Shahzamir Hataki einen Raum gefunden, wo man ihm zuhört und er seine Gefühle ausdrücken kann - in Form von Poesie. Initiiert hat das Projekt die Journalistin Susanne Koelbl. Ziel des Vereins ist es, junge Migrant:innen und Geflüchtete durch autobiografisches Schreiben zu fördern und durch öffentliche Lesungen den Austausch mit der deutschen Zivilgesellschaft zu verbessern. Auf der Inselbühne stellt Susanne Koelbl das Projekt und die jungen Lyriker:innen vor. Obwohl sie ihre Texte schon häufiger gehört hat, ist sie immer noch sichtlich bewegt.
Auch Mariia Kaziun aus der Ukraine trägt ein Gedicht vor, auf Ukrainisch und auf Deutsch. Es heißt "Über die Angst vor der Polizei in eine fremden Land". Nazifullah Nasiri, 2022 aus Afghanistan nach Deutschland gekommen, berichtet über sein großes Gefühl der Einsamkeit. Aber auch über positive Erlebnisse. Etwa, wie er nach schrecklichen Erfahrungen mit Sicherheitskräften in Belarus und Polen von einem deutschen Polizisten an der Grenze mit den Worten begrüßt wurde: "Welcome to Germany".
Zuhören und wertschätzen
Man sieht Erleichterung auf den Gesichtern des Publikums, als Nazifullah Nasiri von dieser freundlichen Begegnung erzählt. Für Entspannung zwischen den bedrückend ehrlichen Berichten sorgen auch die musikalischen Darbietungen des Landespolizeiorchesters Brandenburg unter der Leitung von Robert Paul.
Paul macht gleich zu Beginn deutlich, dass es nicht seine Rolle ist, öffentliche Stellungnahmen für die deutsche Polizei abzugeben. Und dass die Orchester-Musiker:innen nicht die sind, die auf Streife gehen und Migrant:innen kontrollieren. Das Landespolizeiorchester setzt sich aus Berufsmusiker:innen zusammen, sie geben jährlich mehr als 100 Konzerte in Brandenburg und darüber hinaus.
Dennoch erhebt Paul immer wieder seine Stimme, als Mensch und Musiker. Sein Anliegen ist es, den jungen Lyriker:innen aus Kriegsgebieten Wertschätzung zu vermitteln und ihnen an diesem Abend auf der Inselbühne bewusst zuzuhören. Und er möchte Gemeinsamkeiten finden.
Sehnsucht nach Frieden
Die wohl größte Übereinstimmung zwischen den Geflüchteten und den Musiker:innen liegt in der tiefen Sehnsucht nach Frieden - im Inneren, beim Miteinander in Deutschland und auf der ganzen Welt. Davon erzählen die sorgsam ausgewählten Stücke, die das Landespolizeiorchester vorträgt: etwa "A Prayer for Peace", "Dona Nobis Pacem" und "Imagine" von John Lennon.
Susanne Koelbl von The Poetry Project dankt dem Landespolizeiorchester für die wunderschöne Musik und die Bereitschaft, in den Dialog zu gehen. Der Applaus des Publikums für die jungen Lyriker:innen und das Orchester hält lange an. Es war eine besondere Begegnung und ein bewegender Abend, der bei allen Anwesenden noch lange nachklingen wird.
Wer The Poetry Project näher kennenlernen oder mitwirken will, findet mehr Informationen auf der Webseite des Vereins: https://thepoetryproject.de/